Leere Aufgaben – und wie wir mit ihnen umgehen können.

Was verstehen wir unter leeren Aufgaben?
Aufgaben, die wir immer wieder vor uns herschieben und die von einer Liste zur nächsten und oft unbearbeitet übernommen werden, bezeichnen wir als leere Aufgaben.
Aufgaben, die oft auch als Projekte, Jobs oder To Do´s bezeichnet werden, notieren viele von uns in Listen, damit sie nicht vergessen werden. Das Ziel ist es natürlich, sie baldmöglichst zu erledigen. Geschieht dies aber über einen längeren Zeitraum nicht, kann uns das mehr und mehr frustrieren.
„Seit Monaten steht auf meiner Liste mit den zu erledigenden Dingen, dass ich unseren alten Tisch abschleifen und lackieren möchte. Doch ich glaube mittlerweile selbst nicht mehr daran, dass ich das je machen werde.”
Gibt es in deinem Leben leere Aufgaben?
Ob es sich um das Kürzen von Vorhängen oder einen Businessplan handelt: Die Größe der Aufgabe spielt eine untergeordnete Rolle. Die Frage ist, ob uns die Aufgabe seit längerer Zeit und unbearbeitet durch den Alltag begleitet.
Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben, die wir nicht ignorieren sollten. Denn oft sind Personen aus unserem Umfeld direkt davon betroffen. Eine Möglichkeit, um mit der Lösung dieser Aufgaben zu starten, kann sein, dass wir uns über die Folgen bewusst werden, die es haben wird, wenn wir unser Verhalten nicht ändern.
„Ich habe meiner Partnerin schon so oft versprochen, dass ich mich mehr im Haushalt und auch in unserer gemeinsamen Freizeit einbringe, aber ich habe die Energie dafür einfach nicht. Meine Partnerin wird zunehmend ungehalten und meint, dass sie mir einfach nicht wichtig genug ist. Ich befürchte nun, dass unsere Beziehung daran zerbrechen wird.”
– ein leser –
auch eine frage des Typs
Ungeliebte Aufgaben hat jeder, doch wie wir damit umgehen, das ist sehr unterschiedlich:
Die Verbindlichen unter uns erledigen jede ihrer Aufgaben der Reihe nach und suchen nach Lösungen, bis auch die letzte erledigt ist. Eine leere Aufgabe entsteht gar nicht erst, denn die Aufgaben, die es auf ihre Listen schaffen, sind für sie verpflichtend und daher werden sie auch abgeschlossen.
Ganz anders gehen jene damit um, die möglicherweise besonders viele Ideen haben und nicht zögern, sich diese auch vorzunehmen. Doch oft sind sie noch unschlüssig, worauf sie sich wirklich konzentrieren möchten. Hochmotiviert und oft besonders emotional werden viele Projekte und Ziele notiert. Vielleicht wird auch mit der ein oder anderen Idee begonnen, doch oft bleiben sie nur in einem Anfangsstadium.
Viele Ideen und Ziele zu haben, an deren Verwirklichung wir aber nicht oder nur selten arbeiten, kann auf eine Schwäche, Entscheidungen treffen zu können, hinweisen: Wir legen uns dann einfach nicht fest, vielleicht auch deshalb, weil wir nicht genau wissen, was wir eigentlich wollen.”
– VisioMio –
Kaum wegzudenken
Oft sind unsere ungeliebten Aufgaben sehr präsent, selbst dann, wenn wir nicht auf unsere Liste blicken. Denn sobald wir eine Aufgabe häufiger von einer Liste in die nächste übertragen haben, hat sie es längst als stumme, aber mahnende Nervensäge in unseren Kopf geschafft.
„Seit Jahren schon liege ich mir und meiner Partnerin damit in den Ohren, dass ich mir endlich einen Job suche, der meinen Bedürfnissen gerechter wird. Aber von außen betrachtet muss ich zugeben, dass ich kein Stück damit weitergekommen bin.”
– ein leser –
Wie sieht es bei dir aus?
Hast du in einer deiner Listen auch Aufgaben, die schon seit längerem unbearbeitet sind und die sich für dich ganz weit weg anfühlen?
Hier einige Beispiele, die uns häufiger in Gesprächen genannt wurden:
- Persönliche Aufgaben
Sport treiben – mehr lesen – Selbständigkeit planen – weniger Social Media / Streaming - Berufliche Aufgaben
Steuererklärung machen – Sprachkenntnisse verbessern – sich fortbilden - Familiäre Aufgaben
An der Hausarbeit beteiligen – Rücksicht nehmen – sich häufiger melden - Aufgaben im Freundeskreis
Sich weniger ausnutzen lassen – keine Bücher mehr verleihen – eigene Interessen durchsetzen
Wie du siehst, haben wir da eine bunte Mischung zusammengestellt. Natürlich hat ein Ziel, das eine Verhaltensänderung bedeutet, eine viel größere Dimension als eine Mitgliedschaft in einem Fitness-Club.
„Was sich jeder fragen sollte: Warum setze ich nicht um, wovon ich mir doch ein besseres Leben verspreche?”
– VisioMio –
die übung
Wir haben für dich eine einfache Übung vorbereitet, die dich dazu anregt, dich mehr mit deinen Zielen zu beschäftigen.
Schritt EINS
Du hältst deine unbearbeiteten Aufgaben auf dem Übungsblatt für leere Aufgaben fest.
- Du beschreibst mit wenigen Worten, wie dein Ziel oder das Projekt lautet und achtest darauf, dass du es möglichst präzise beschreibst.
Was denkst du, worin liegen in deinem Fall die Gründe?
In den meisten Fällen gibt es DREI Gründe, aus denen wir unsere Ziele auf die lange Bank schieben.
- Die Aufgabe ist zu groß oder ungenau definiert.
- Wir mögen die Aufgabe einfach nicht.
- Uns fehlt der Zugang zu einem Lösungsweg
„Vereinfacht könnte man auch sagen: Wir können oder wir wollen die Aufgabe nicht erledigen.”
– VisioMio –
dein visiomio-moment
Du suchst jetzt für die erste Aufgabe, die du auf deinem Übungsblatt No–005 notiert hast, eine kurze Erklärung. Du stellst dir die Frage: Warum beschäftige ich mich mit dieser Aufgabe, die ich selbst in meine Liste aufgenommen habe, nicht? Eine Antwort könnte aussehen wie in diesem Beispiel:
„Ich bin unzufrieden mit meinem jetzigen Job und möchte mich selbständig machen, doch mir fehlt einfach die Zeit, um einen Businessplan zu schreiben, doch den benötige ich, um Fördermittel und einen Kredit zu bekommen.”
– ein Leser –
Schritt ZWEI
Du notierst in einem kurzen Statement für jede weitere deiner unbearbeiteten Aufgaben den Grund, aus dem du die Aufgabe bis jetzt nicht bearbeitet hast.
Wenn du eine dieser leeren Aufgaben auf deinen Listen findest, dann sind da meist auch noch weitere. Also, trau’ dich und halte fest, was dir noch an unangenehmen ToDos einfällt. Vom Keller, den du schon so lange aufräumen möchtest, bis zu einem Gespräch mit deinem Vorgesetzten, vor dem du dich schon lange drückst: Sicher gibt es da ein paar Dinge, die es auf deinen Übungszettel schaffen können.
„Oft spielt uns unsere Fantasie einen Streich: Wir neigen dazu, zu glauben, dass etwas Radikales die Lösung für viele unserer Probleme bedeutet.”
die ausrede – gibt es einen grund hinter dem grund?
Das Argument „ich habe keine Zeit” ist in den meisten Fällen eine vorgeschobene Ausrede.
Wer sich das eingesteht und daraus wenigstens ein „ich nehme mir die Zeit einfach nicht” macht, ist auf einem guten Weg, um sich seinem Ziel doch noch zu nähern.
„Ich habe meinem Tagebuch anvertraut, dass mir der Schritt, gemeinsam mit meinem Partner ein Haus zu kaufen, noch viel zu früh erscheint. All das aufzuschreiben, was mein Bauchgefühl mir schon seit Wochen vermittelt, gab mir die Kraft, mich mit einem deutlichen Nein aus der Situation zu befreien .”
dein visiomio-moment
Es liegt an uns, jede dieser leeren Aufgaben neu zu bewerten und einen ersten Schritt zu machen. Es kann große Energien freisetzen, wenn wir eine endgültige Entscheidung treffen oder wenigstens herausfinden, was uns bislang daran gehindert hat, diese Aufgabe zu erledigen.
Zeit für eine Entscheidung: Wir können diese Aufgaben weiter verfolgen oder uns von ihnen trennen.
„Je intensiver wir uns mit den Gründen beschäftigen, aus denen wir aufschieben, desto sicherer können wir Entscheidungen dafür oder dagegen treffen, ohne dass wir sie später bereuen.”
– visiomio –
Es gibt auf der Welt unzählige Dinge, die wir tun könnten, Projekte, um die wir uns kümmern oder Orte, an die wir reisen möchten. Es ist daher wichtig, dass wir mit unseren Ressourcen schonend umgehen. Das bedeutet, dass wir uns entscheiden müssen.
wer sich nicht entscheidet, schafft am ende nichts.
Die Anzahl der Möglichkeiten, die wir haben, ist unübersichtlich groß und wir müssen dazu nicht einmal unser Zuhause verlassen. Wichtig kann es daher sein, dass wir uns mit der Realität und vor allem auch den Folgen daraus konfrontieren – ungeschminkt und ehrlich.
- Eine Aufgabe, die uns mehr belastet, als dass sie uns motiviert, sollte uns zum Nachdenken darüber veranlassen, ob wir sie nicht loslassen sollten.
- Viele dieser Aufgaben verbrauchen Energie und versperren uns den Weg zu anderen – vielleicht besser geeigneten – Zielen.
„Ganz offensichtlich hätte ich die Zeit, am Abend zu lesen, statt zwei Stunden irgendwelche Serien zu streamen. Es muss also an etwas anderem liegen. Bin ich zu müde von meinem Job – oder liegt es daran, dass ich die Kraft nicht aufbringen will. Sich berieseln zu lassen, das ist viel einfacher und macht mich sicher noch bequemer und träger.”
Schritt DREI
Du denkst besonders kritisch darüber nach, ob hinter dem Grund, der dein Projekt verhindert, vielleicht noch eine andere Ursache stecken könnte.
Oft sind mit unseren leeren Aufgaben Entscheidungen verbunden, die uns in eine unangenehme Situation bringen. Das sind nicht selten Konflikte mit nahestehenden Personen oder aber der Verzicht auf gewohnte oder liebgewonnene Gewohnheiten.
Beispiele
- Die Trennung, die man aus finanziellen Gründen oder aus Rücksicht auf die gemeinsamen Kinder hinauszögert.
- Einen Job, den man wegen des Geldes weiter macht.
„Solange wir nicht aktiv nach einem Lösungsweg suchen, werden unsere leeren Aufgaben bleiben und unser Leben weiter ausbremsen.”
– VisioMio –
unsere ressourcen sinD begrenzt
Wir sollten herausfinden, welcher Wunsch eine Zukunft hat und welcher nicht.
„Ich habe immer gedacht, dass ein kleines Café mein Lebenstraum wäre. Jetzt, nachdem ich ein paar Tage in einem Bistro gearbeitet habe, ist mir klar geworden, dass hinter meinem Traum eine Sehnsucht steckt, die auch ein eigenes Café nicht erfüllen wird.”
– eine Leserin –
Schritt VIER
Im letzten Schritt beginnst du damit, herauszufinden, ob deine Aufgaben eine Zukunft haben. Jetzt ist schonungslose Ehrlichkeit gefragt. Teile jede deiner Aufgaben einer der folgenden Gruppe zu:
- Diese Aufgabe möchte und muss ich nicht erledigen und gebe sie daher auf.
- Diese Aufgabe ist mir wichtig.
- Dieser Aufgabe muss ich mich stellen.
Im ersten Fall ist die Sache klar, diese Aufgabe streichst du. Du kannst dir auch einen Zettel anlegen, auf den du nur Ziele schreibst, von denen du dich verabschiedest. Sehr wirksam ist es, wenn du sie dann durchstreichst und sie für dich sichtbar aufhängst.
Im zweiten und dritten Fall geht es nun darum, dass du keine Zeit verlierst und jetzt einen ersten Schritt beschließt, den du in spätestens drei Tagen machen wirst.
Beispiel
- „Ich werde einen Online-Kurs für Business-Englisch buchen und jeden Tag 15 Minuten nach dem Abendessen dafür lernen.”
- „Mein Wunsch, das Kochen zu lernen, beginne ich umzusetzen, indem ich mir ein Rezept suche und eine Einkaufsliste mache.”
- „Meinen Traum, einen Roman zu schreiben, beginne ich nun zu verwirklichen. Dazu formuliere ich, worum es gehen könnte und ein paar weitere Details. Jeden Tag werde ich in einem Schreibtagebuch etwas festhalten.”
achte besonders auf folgende dinge:
- Beschreibe, was dich erwartet, sobald du deine Aufgabe gelöst hast. Dieser kurze Text dient dir zusätzlich als Motivation.
- Benenne zwei Schritte, die du auf jeden Fall ohne Hürden machen kannst.
- Definiere, wann, wo und wie du diese Schritte tust.
- Mache dir idealerweise nach deinen ersten zwei Schritten einen Plan, der vorsieht, wie du dich weiterhin täglich mit deinem Ziel beschäftigst, ohne dich zu überfordern.
„Durch das tatsächliche Beginnen habe ich mich mit meinem Ziel intensiver beschäftigt und bemerkt, dass mein lang gehegter Wunsch eigentlich gar nicht zu meinen Bedürfnissen gepasst hat.”
– eine Leserin –
TIPPS ZUM SCHLUSS
Du wirst jetzt die ersten Schritte tun und dich vielleicht mit deinen leeren Aufgaben und Zielen beschäftigen. Wir wissen, wie zäh und schwierig es sein kann, Gewohnheiten zu ändern. Folgende zwei Tipps können dir dabei helfen, es dennoch zu schaffen:
- Schreibe es einfach auf – dein Ziel! Finde Worte für das, was du dir wünschst und vielleicht schon lange vorstellst. Denn mit dem Schreiben identifizieren wir uns besonders stark mit unseren Zielen und kommen ihnen immer näher.
- Immer eine gute Idee ist das Zerlegen deiner Aufgabe in besonders kleine Schritte. Denn so kann ein in weite Ferne gerücktes Ziel wieder in greifbare Nähe kommen. Wenn auch die kleinen Schritte noch zu viel sind, dann mache daraus Mini-Schritte.
VisioMio denkt weiter – daher widmet sich der folgende Beitrag FÜNF genau dieser Phase. Wie praktisch, oder? Das finden wir nämlich auch.